4.8.2020

Ignis aurum probat

DZM Research

Feuer testet Gold. Der Charakter wird durch schwierige Umstände verfeinert. In diesem Kurzessay möchten wir auf das rötlich gelbe Edelmetall als Kapitalerhalt eingehen. Wichtig: Wir gehen hier weder auf die Geschichte und Förderung noch auf Silber und Platinmetalle ein. Das Thema Kauf und was es dabei zu beachten gibt werden wir hier ebenfalls nicht behandeln. Vielmehr geht es uns darum, eine prägnante Sichtweise zu vermitteln, wann und in welchem Ausmass Gold-Investments Sinn oder eben keinen Sinn machen.

Die Investorenwelt ist gespalten. Warren Buffett hält nichts von Gold. Er bezeichnet es als unproduktives Asset, das keinen Mehrwert erwirtschaftet und durch die Lagerung sogar noch laufende Kosten verursacht. Andere, wie Ray Dalio oder Marc Faber, schreiben dem Metall exzellente Diversifizierungsqualitäten zu und gewichten es mit 7 respektive 25% in ihren Portfolios. Und dann gibt es noch die Gold Bugs. Die Welt wird untergehen und was bleibt nach einer Supernova? Klar: Gold. Also sollten Sie möglichst viel davon besitzen. Alle dieser Standpunkte haben einen wahren Kern. Je nach wirtschaftlichem Umfeld treffen sie mehr oder weniger zu.

Fakt ist, dass Gold in einer gesunden, boomenden Wirtschaft überhaupt nicht performen wird. Warum sollte es auch? Es ist die Zeit, zu welcher das Edelmetall real gemessen neue Tiefststände erreicht. Die Zukunft sieht rosig aus, die Geldmenge wächst in gesundem Mass und das Kapital kann ohne Risiko gewinnbringend eingesetzt werden. Niemand möchte Gold besitzen.

In einer gesunden Wirtschaft wird das Edelmetall während einer Korrektur leicht profitieren weil die Anleger tendenziell Gewissheit suchen werden. Somit kann man behaupten, dass Gold ein leicht negatives Delta zum Gesamtmarkt aufweist.

Artet die kleine Korrektur in einen Crash aus, muss Gold zuerst ähnliche Einbussen wie der Gesamtmarkt hinnehmen. Die Wirtschaft ist zu stark gehebelt, Schulden müssen bedient werden und sämtliche Assets werden in sogenannten Fire Sales beinahe wahllos auf den Markt geworfen. Ein solcher Liquidity Crunch ist die einzige, sehr kurze Situation, in der Cash King ist.

Geht die Panik allerdings weiter, wird sich das Geld sichere Häfen suchen und Gold beginnt, enorm zu profitieren. Analog dazu wird das gelbe Metall ausserordentlich gut performen, wenn die Geldmenge schnell wächst. Denn dieses Wachstum bringt inflationäre Folgen mit sich (wir sprechen von Inflation generell, dies betrifft entweder Konsumentenpreise, Vermögenswerte oder beides). In einem finanziell repressiven Umfeld wird Gold ebenfalls sehr gut performen. Denn die Investoren suchen wiederum Sicherheit. Es gibt keinen risikolosen Zins und niemand weiss, wohin sich die Geld- und Kreditmenge entwickeln wird. Also sucht man Schutz in einem Asset, das schon immer werthaltig war und nicht beliebig vermehrt werden kann.

Stark vereinfacht gesagt, wird Ihre Goldposition in einem Umfeld mit positivem realen Zins kaum Rendite bringen und sich bei negativen Realzinsen sehr gut entwickeln. Dies sollte aus dem Wechselspiel unbegrenzte Geldmenge mit Zinsertrag und begrenzte Goldmenge mit Lagerkosten hervorgehen. Dabei spielt die hohe Beständigkeit eine entscheidende Rolle.

Man kann also zum Schluss kommen, dass Gold tendenziell wenig Performance aufweist. Doch wenn es dies tut, förmlich explodiert. Beispiele dafür sind Zusammenbrüche von Nationen, Währungsreformen oder hohe Inflation. Der Philosoph Nassim Taleb würde dem Edelmetall wohl das Gegenteil von “be careful, fragile” zuschreiben: Nämlich “antifragile, please mishandle”.

Beim Definieren Ihrer Asset Allocation ist somit wichtig zu wissen, wie viel Research und Umschichtungen Sie vornehmen möchten (also das Portfolio kurz- oder langfristig zusammenstellen möchten), wie hoch Ihr Sicherheitsbedürfnis ist, wie Sie sich ausrichten möchten (bei Booms oder Busts viel zu verdienen oder lieber stetige Einkünfte erzielen möchten). Doch das wichtigste dürfte sein, dass Sie keine Klumpenrisiken eingehen - und etwas Gold im Depot eignet sich hervorragend, diese effektiv zu diversifizieren.

Fazit

Gold gehört in jedes Portfolio. Idealerweise mit einer Gewichtung von etwa 5 bis 15%, je nach Wirtschaftslage und Risikopräferenz. Die Position lässt sich gezielt mit kleinen Mengen anderer Edelmetalle ergänzen. Was Sie auch immer mit Ihrem Portfolio anstellen, seien Sie sich bewusst, welche Chancen und Risiken die Entscheidung mit sich bringt.

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