Die Enteignung des Sparers

Die Enteignung des Sparers

Felix Früchtl

Artikel

vom

26.8.22

Nie war es für Sparer schwieriger gewesen, Vermögen für die Zukunft aufzubauen. Selten mussten Investitionsentscheidungen unter solch unsicheren Vorzeichen getätigt werden und für viele Sparer ist es das erste Mal, dass die Währung, in der man sein Vermögen vermehren möchte, derart unter Druck gerät.

Grund genug sich mit der Frage zu beschäftigen, ob das klassische Sparen, so wie wir es seit Jahrzehnten kennen, nun endgültig der Vergangenheit angehört oder ob konservative Investments in Zukunft wieder eine Renaissance erleben werden.

Altersvorsorge konnte so unbeschwert sein

In früheren Jahrzehnten reichte es aus, auf die Spartipps seiner lokalen Bankfiliale oder des ortsansässigen Versicherungsvertreters zu hören. Ordentliche Renditen auf Sparbüchern und in Lebensversicherungen waren so gut wie gesetzt und man konnte davon ausgehen, dass man am Ende der Laufzeit eine kleine, aber feine Summe zusammengespart hatte, mit der sich der Lebensabend versüßen ließ.

Doch wer jetzt noch in diesen klassischen Vorsorgeprodukten investiert ist, wird schnell merken, dass diese Wunschvorstellungen der Vergangenheit angehören. Nichts mehr mit Zinsen. Ganz im Gegenteil: Hohe Kosten und Verwahrentgelte führen häufig dazu, dass am Ende nicht mehr Geld zur Verfügung steht, sondern deutlich weniger. Ist das der Sinn des Sparens? Sicherlich nicht!

Schreckgespenst Nullzinspolitik

Mit der aufkommenden Ära der Niedrigzinspolitik vor über 10 Jahren, wurden alle Banken und Versicherungsgesellschaften ihrer klassischen Sparanlagen beraubt. Wenn kein risikoloser Zins mehr vorhanden ist, kann ein Zinsgeschäft nicht mehr funktionieren, so einfach ist das. Das Kapital muss also risikoreicher investiert werden, um den fehlenden Basiszins zu kompensieren. Leichter gesagt als getan. Immerhin gibt es gerade im Versicherungsbereich strikte staatliche vorgaben, wie das Geld der Kunden durch die Versicherungskonzerne investiert werden darf.

Und wenn ein Großteil der Gelder in vermeintlich sichere Staatsanleihen investiert werden muss, die in der Vergangenheit teilweise sogar Negativrenditen einfuhren und oftmals über 10 Jahre Laufzeit mit sich bringen, dann braucht man kein Versicherungsmathematiker sein, um herauszufinden, dass beim Kunden am Ende des Tages kein Ertrag übrigbleiben wird. Doch damit nicht genug! Mit den fehlenden Zinsen erkannte der Gesetzgeber schnell, dass Banken und Versicherungen stark gefährdet sein könnten, was den Fortbestand angeht. Daher wurden nach und nach staatliche Regularien eingeführt, die es dem Gesetzgeber erlauben, mehr oder weniger stark in das jeweilige Geschäftsmodell der Konzerne einzugreifen.

Staatliche Eingriffsmaßnahmen

Es begann mit mit dem Lebensversicherungsreformgesetz I & II. Letzteres wurde während der Fußball Weltmeisterschaft 2014 verabschiedet und führte dazu, dass, während sich das Volk im Fußballrausch befand, die Versicherungsgesellschaften sich vortan auf dieses Gesetz berufen durften, wenn es um die Kürzung der dem Kunden zustehenden Bewertungsreserven ging. Mit diesen Reformen und dem §314 des Versicherungsaufsichtsgesetzes wurden die Grundlagen dafür geschaffen, dass zum Wohle der Versicherungskonzerne die Kundengelder einbehalten werden dürfen. Gleichzeitig verpflichtet der Gesetzgeber den Versicherungsnehmer jedoch dazu, seine monatlichen Beiträge brav weiter zu bezahlen.  Man könnte es auch Enteignung 2.0 nennen. Es ging munter weiter mit der Collective-Action-Clause, die die Rückzahlungsnotwendigkeit von Anleihen thematisiert und endete mit dem Risikobegrenzungsgesetz, das sich dann im Jahre 2020 erstmals detailliert mit dem Thema auseinandersetze, wie in Schieflage geratende Lebens- und Krankenversicherer konkret abgewickelt werden sollen. Auch Banken blieben von der ungeliebten Einflussnahme durch den Staat nicht verschont. Mit dem Sanierungs- und Abwicklungsgesetz (SAG) und den europäischen Vorgaben nach Basel I – IV, wurde es auch für Banken unmöglich, Produkte anzubieten, die dem Kunden eine nennenswerte Rendite versprechen. Das Korsett, das den Finanzinstitutionen von den Gesetzgebern auferlegt wurde, ist extrem eng geschnürt und die Produkte, die heute von Versicherungen angeboten werden, sind geplante Vermögensvernichtung.

Übrigens: Wer glaubt, dass früher war alles besser war, der hat weit gefehlt. Eine Lebensversicherung war selbst in Zeiten, als es einen Garantiezins von 4% auf dieses Produkt gab, nichts anderes als Kaufkraftvernichtung. Denn damals gab es einen risikolosen Zinssatz von rund 4 bis 5% bei einer gleichzeitigen Inflation von  rund ca. 4 bis 8%. Vermögensaufbau sieht anders aus. Wie uns schöne Zahlen die Sicht vernebeln, zeigt ein aktuelles Beispiel, welches an unser Haus herangetragen wurde: Die Kundin hat im Jahre 1999 einen Vertag abgeschlossen, mit einer jährlichen Garantieverzinsung von 4%. Wer jetzt denkt, dass die Dame auf ihr hart erspartes Kapital jedes Jahr eine Gutschrift i. H. v. 4% erhalten hat, fehlt gewaltig. Denn der Garantiezins wird immer vor Abzug etwaiger Kosten angegeben, die natürlich im Zeitablauf variabel sind. So kam es im besagten Fall dazu, dass die Dame über 21 Jahre 89.794 € in die Versicherung eingezahlt hat. Der Rückkaufswert zu diesem Stichtag belief sich jedoch nur auf Sage und Schreibe 87.812 €. Eine Garantie ist eben nur so viel wert, wie das Blatt Papier auf dem es gedruckt ist.

Nur Verlierer, kaum Gewinner?

In Zeiten der Niedrigzinspolitik sind also Sparer, die in Geldversprechen investiert sind, definitiv die Verlierer. Gleichzeitig sind Sachwertinvestments in aller Munde. Immobilienpreise gingen durch die Decke, Edelmetalle erfuhren massiven Zulauf und Aktienwerte jagten von einem Hoch zum Nächsten. Es gab also auch massive Gewinne zu verzeichnen. Nur sind diese Gewinne beim Großteil der Bevölkerung nicht angekommen. Denn mit immer noch 83 Millionen vorhandenen Lebens- bzw. Rentenversicherungen und über 7 Billionen Euro Geldvermögen, das die deutschen Ende des Jahres 2021 besaßen, sind die meisten privaten Investoren in der Anlageklasse investiert, die in den letzten Jahren kontinuierlich an Wert verloren hat: den Geldwerten.

Was bringt die Zukunft?

Und nun kommt noch eine immer intensiver werdende Inflation dazu. Die Kaufkraft eines jeden einzelnen sinkt, der Wert der Arbeitsleistung sinkt, da der Lohn nicht mehr das wert ist, was er in der Vergangenheit einmal wert war. Der, zugegebenermaßen nicht unbedingt repräsentative, Warenkorb, über den unsere Inflation berechnet wird, wird immer teurer. Lebensmittel, Energie und Drogerieprodukte wurden sogar 30% teurer. 30% weniger Kaufkraft, 30% die ich an anderer Stelle erwirtschaften müsste, nur um Pari zu sein. Wir sprechen noch nicht über Vermögensaufbau!

Die wahnwitzige Überschuldung der Zentralbanken ist nun beim Volk angekommen und kann nicht mehr geleugnet werden. Im Januar 2022 wurde uns noch erzählt, die Inflation sei vorübergehend. Doch mittlerweile ist sich auch Frau Lagarde nicht zu schade, sich in ihrer teuren Robe vor die Kameras zu stellen und von einer „langfristigen und sehr ernstzunehmenden Phase tiefer Rezession“ zu sprechen.

Und wie es so ist, müssen die Fehler der (Geld-)Politik wieder vom kleinen Sparer ausgebadet werden. Die Geschichte zeigt eindrucksvoll, dass all diejenigen, die sich beim Vermögensaufbau auf Staat, Banken oder Versicherungen verlassen haben, diejenigen waren, denen das Geld sprichwörtlich in der Hand weggeschmolzen ist. Einige wenige haben rechtzeitig den Absprung aus Geldversprechen geschafft und in Sachinvestments diversifiziert. Dreimal dürfen Sie raten, wer als Gewinner aus jeder Krise hervorgegangen ist und auch diesmal wieder hervorgehen wird.

Fazit

Vermögensaufbau gehört in die eigene Hand. Die Lösung ist finanzielle Bildung und die Unabhängigkeit von Institutionen. Die klassische Vorsorgelösung über Banken und Versicherungen hat ausgedient. Rette sich, wer kann!

Ob Lebensversicherung und Konsorten in Zukunft eine Renaissance erleben werden? Mit Sicherheit, denn der Mensch ist von Natur aus faul und gibt die Verantwortung für sein Geld nur zu gern ab.

Ob damit in Zukunft Vermögen für die breite Masse aufgebaut werden kann? Nein, das zeigt schon die Geschichte. Vermögen bleibt nur dort, wo sich aktiv damit auseinandergesetzt wird und nicht dort, wo Verantwortung abgegeben wird.

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