Die Inflation. Jetzt ist sie halt da.

Die Inflation. Jetzt ist sie halt da.

Dr. Markus Krall

Artikel

vom

12.4.22

7,3%. Jetzt ist sie da, die Inflation. Als sie noch kleiner war, hat man uns erklärt, diese Inflation sei eine gute Inflation, denn sie sei ja schließlich grün. Prof. Ahnungslos vom DIW hat diese nobelpreisverdächtige Theorie aufs medial-akademische Katheder erbrochen.

Das erinnerte mich an den Satz eines amerikanischen Politikers über einen mit dem Land verbündeten Diktator, der sich als Schlächter gerierte: „He may be a monster. But he is our monster“. („Er mag ein Monster sein, aber er ist unser Monster“).

Die Monstrosität ist auch das Markenzeichen dessen, was da noch kommen wird. Denn die 7,3% sind weder „vorübergehend“ (Frau Prof. Schnabelwetz von der EZB) noch im luftleeren Raum entstanden. Sie ist auch noch lange nicht das dicke Ende der Fahnenstange. Bereits jetzt galoppiert sie in anderen Ländern des Euroraums zweistellig (Holland fast 13%, Spanien 10%). Die ihr 2 bis 3 Quartale vorauslaufende Erzeugerpreisinflation, also die Kosten der Herstellung der Güter, die wir dann erwerben, liegt schon seit Monaten über 25%.

Misst man die Inflation mit dem Warenkorb und der Methodik der Bundesbank aus den 80er Jahren haben wir bereits heute 20% Inflation bei Konsumgütern. Die politische Manipulation ihrer Messung ist ein Skandal, der nach dem Untergang der EZB noch aufzuarbeiten sein wird.

Sieht man sich die explodierenden Preise von Halbfertigprodukten, Baumaterialien und Zulieferprodukten für Automobile, Haushaltselektronik und Gebäudetechnik an, sehen wir Steigerungen von 20% bis 1.000% (also eine Verzehnfachung der Preise) über eine Vielzahl von Gütern. Gleichzeitig steigen die Lieferzeiten, weil die Zulieferketten beschädigt sind und immer mehr Marktteilnehmer zum Horten der für sie wichtigen Produkte übergegangen sind. Horten ist ein Fluchtmechanismus der Wirtschafssubjekte aus dem Geld, der für eine beginnende Hyperinflation typisch ist.

Die Produktionskostenerhöhung von Lebensmitteln, ebenso wie der Verteilerlogistik und von Verpackungsmaterial impliziert eine Geldentwertung von 20 bis 40%. Bisher war diese Kostenexplosion verborgen hinter den stets über mehrere Monate oder Quartale laufenden Lieferverträgen zwischen den Lebensmittelherstellern und den Supermärkten. Jetzt schlägt dies mit Verzögerung im Zuge der Neuverhandlung auslaufender Verträge mit voller Wucht auf die Verbraucher durch. Aldi hat bereits Preissteigerungen von bis zu 40% angekündigt.

Aber auch das ist noch lange nicht das Ende des Tunnels. Die verkorkste globale Energiewende, deren Vorreiter Deutschland es wieder mal besonders gründlich gemacht hat, hat die Energiepreise bereits vor der Ukrainekrise massiv verteuert. Das Ergebnis: Die energieintensive Produktion von Kunstdünger hat sich im Preis verdreifacht. Bereits im Herbst 2021 haben Russland und China daher den Export von Kunstdünger verboten.

Weniger Kunstdünger bedeutet weniger landwirtschaftliche Produktion und eine geringere Ernte in den Jahren 2022 und 2023. Die Preissignale, die normalerweise zu einer Steigerung der Produktion führen würden, werden aber von den Produzenten nicht mehr verarbeitet, weil die Landwirtschaft zur ökosozialistischen Planwirtschaft verkommen ist. Brachliegende Flächen zu aktivieren könnte nächstes Jahr Entlastung schaffen, aber der zuständige Grüne Minister hat auf der Fahrt in seinem Dienst-Achtzylinder entschieden: Das machen wir nicht. In Europa bedeutet das nur mehr soziale Ungleichheit durch Inflation, in Afrika bedeuten die dadurch höheren Weltmarktpreise für viele buchstäblich den Tod durch Hunger.

Der Sozialismus war in allen Erscheinungsformen von Stalin über Mao und Pol Pot bis Hitler (auch ein nationaler Sozialismus ist Sozialismus) immer völkermörderisch in seinen Genen. Der Ökosozialismus scheint sich hier einreihen zu wollen. Mich überrascht das nicht.

Also wird die Knappheit größer und die Preise werden weiter in immer schnellerer Kadenz steigen. Nichts wird dieses Monster aufhalten, denn es findet reichlich Futter. Dieses Futter ist die aufgetürmte Menge aus Papiergeld der EZB. Die Zentralbankgeldmenge, ausgedrückt in der Bilanzsumme der EZB ist seit Gründung dieser Geld-Bürokratie 1999 von knapp unter 700 Milliarden auf über 8.700 Milliarden Euro angeschwollen. Eine Verzwölffachung der Geldmenge - angehäuft durch verbotene, aber dennoch von EZB-Rat und EU-Politik herbeikonspirierte Staatsfinanzierung, der keine entsprechende Steigerung der Produktion gegenübersteht - verändert das Verhältnis von Geldmenge zur Gütermenge. Immer mehr Geld jagt einer nicht wachsenden und neuerdings fallenden Menge an Gütern hinterher. Das Auktionsprinzip sorgt dafür, dass der Meistbietende die Güter erhält und so gleicht sich das Verhältnis von Geld zu Gütern wieder an. Inflation ist ein monetäres Phänomen, war es immer, wird es immer sein.

Es ist eben entgegen den mit Logik auf Kriegsfuß stehenden neo-Keynesianischen Theorien der „Modern Monetary Theory“ nicht möglich, die Knappheit der Güter durch die Beseitigung der Knappheit des Geldes abzuschaffen.

Nur zu gern sind die Politiker und ein Großteil des von dieser Gelddruckorgie alimentierten Wahlvolkes den Tönen aus dieser Rattenfängerpfeife gefolgt. Eigentlich wäre es daher passender gewesen, Hameln zum Sitz der EZB zu machen, nicht Frankfurt.

Die EZB sitzt, wie der frühere Präsident der Bundesbank es kürzlich formulierte, in der selbst gestellten Falle. Sie weiß, dass für sie jetzt gilt: Damned, if you do. Damned if you don’t!

Sie hat nur noch die Wahl zwischen zwei Übeln, zwei Monstern, Skylla und Charybdis, von denen jedes das Ende des Euro-Experiments bedeutet. Entweder sie akkommodiert die Inflation oder sie tut es nicht. Wählt sie den ersteren Weg (und davon gehe ich zunächst aus), wird die Inflation in schnellen Schritten weiter steigen. 10%, dann 20%, dann 30%. Den Rest überlasse ich Ihrer Fantasie, geschätzter Leser. Warum wird das passieren? Ganz einfach: Akkommodieren heißt, den Geldhunger zu stillen, der durch die Inflation beim Konsumenten und bei den Unternehmen entsteht. Die höheren Preise können nur bezahlt werden, wenn die Leute mehr Geld haben. Es kann nur herbeigeschafft werden, wenn man das Gelddrucken noch weiter beschleunigt und die Zinsen auf der Nulllinie hält.

Dann trifft noch mehr Geld auf die Güter und die Preise steigen weiter, und zwar immer schneller. Das bedeutet: Das politische Projekt der EZB ist gescheitert, der Laden fliegt in die Luft. Was bleibt ist ein Turm im Frankfurter Ostend, der in Villa Größenwahn umgetauft wird.

Oder die EZB bekämpft die Inflation. Dann muss sie die Geldmenge begrenzen. Das geht nur durch eine Beendigung der Staatsanleihenkäufe und positive Realzinsen. Letzteres heißt: Die Zinsen müssen bei 7% Inflation mindestens 7,1% betragen, eher mehr, wenn sich Wirkung entfalten soll. Das würde den Kollaps der Staatsfinanzen von Italien, Frankreich, Spanien Portugal und anderen innerhalb von Tagen bewirken, weil jedem klar wäre, dass die Staaten diese Zinsen nicht bedienen können und der Markt die neuen Anleihen daher nicht mehr abnimmt. „Isch Over“ als griechischer Exportschlager, sozusagen.

Dann werden die Südländer den Euro verlassen, weil sie im Gegensatz zu den Deutschen keine so ausgeprägte Neigung zum ökonomischen Selbstmord haben und in Deutschland auch nichts mehr zu holen ist.

Wie wird es ablaufen? Die EZB wird einen kleinen Trippelschritt in Richtung Normalisierung versuchen und die Zinsen vorsichtig erhöhen. Sie wird versuchen „den Kompromiss“ zu finden. Weil aber das Gift billigen Geldes den Kontinent verseucht hat wie Heroin einen Junkie, viele Unternehmen zombifiziert und die Staatsfinanzen zerrüttet sind, wird das sofort zu einer gigantischen Pleitewelle und massiven Verwerfungen der Finanzmärkte führen. Dann wird die EZB sofort wieder auf Akkommodieren umschalten. Die Inflation nimmt dann erst so richtig Fahrt auf, weil die Pleitewelle auch noch die Produktion einbrechen lässt.

Dafür braucht man dann einen Sündenbock. Zum Glück hat man schon einen gefunden. Das wird die EZB aber nicht retten. Denn diese Schuldumschichtung funktioniert nur solange man die Konfrontation im Osten immer weiter anheizt. Das ist nicht gut für die Energieversorgung. Es wird die Produktion einbrechen lassen und dann haben wir das zweiköpfige Monster der Stagflation: Fallende Produktion bei steigenden Preisen.

Jetzt wird die Rechnung präsentiert. Und zwar alles auf einmal.

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