Protein im Getreide – wie bringt man den Bauern um sein Geld?!

Protein im Getreide – wie bringt man den Bauern um sein Geld?!

Maike Schulz-Broers

Artikel

vom

2.9.22

Es ist ein spannendes Jahr in der Landwirtschaft. Die laufende Ernte sieht durch hohe Düngerpreise und wenig Wasser eher bescheiden aus.
Politik im Agrarbereich findet nicht statt. Man entscheidet lieber nicht als falsch…
Hoffnungsträger aus dem Agrarsektor erweisen sich eher als Hemmschuh, nicht wirklich als Hilfe.

In den letzten Wochen konnte man vielerorts lesen und hören, dass wir einen Brotgetreidemangel erleiden werden. Doch ist das tatsächlich so? Wird es weniger Brot und Brötchen bei unseren Bäckern geben? Was für Auswirkungen hat es, wenn der sogenannte Proteingehalt im Weizen, eins der meistbenötigten Getreide im Bäckerhandwerk, die geforderten Qualitäten nicht erfüllt?

Aufgrund der alarmierenden Zahlen aus der Landwirtschaft sollte man davon ausgehen, dass das Bäckerhandwerk sich lautstark zu Wort meldet und diesen entstehenden Mangel beklagt. Doch man hört und liest nichts aus der Richtung. Die Bäcker backen weiter Brot und Brötchen.

Die durch den Krieg bedingten hohen Düngekosten haben vielerorts dazu geführt, dass in der konventionellen Landwirtschaft die letzte Düngegabe nicht stattgefunden hat. Dies kann man als Vorgeschmack auf die bevorstehende, weiter verschärfende Düngeverordnung werten, die nach wie vor ohne einen wissenschaftlichen Nachweis ihres Nutzens vorangetrieben wird.  Zum anderen macht die anhaltende Trockenheit den Pflanzen zu schaffen, was die Bildung von Protein sehr erschwert.

Um die Qualität von Getreide feststellen und damit auch einen Preis ermitteln zu können, braucht es Standards, die es zu erfüllen gilt. Zum einen der Proteingehalt, der bei 12 Prozent plus liegen sollte, um als Backweizen anerkannt zu werden. Dazu kommt der sogenannte Sedimentationswert, der die Quellfähigkeit der Proteine erfasst. Auch wird die sogenannte Fallzahl ermittelt, die den Stärkegehalt im Korn angibt. Zu guter Letzt wird die Backqualität ermittelt. In einem standardisierten Verfahren wird das Volumen ermittelt, welches Mehl und Wasser miteinander erzeugen.

Allerdings scheint der Proteingehalt, der immer als Gratmesser für die Backqualität genannt wurde, nur in der Preisfindung eine Rolle zu spielen. Wenn der Proteingehalt niedrig ist, wird in den Bäckereien Soja oder Eiweiß zugesetzt, um dieses Defizit auszugleichen. So muss man zu dem Schluss gelangen, dass der Proteingehalt nur den Nutzen hat, den Bauern nicht den Preis zu zahlen, den ihre Arbeit wert ist. Diese Bewertung dient nur den Weiterverarbeitern, die daraus wieder Gewinne generieren, die der Landwirtschaft nicht zugutekommen. Ein repräsentatives Beispiel für den Umgang mit unserer Branche…

Hier wird es Zeit, andere Qualitätsstandards zu entwickeln und auch neue Vermarktungswege zu erschließen, von denen an erster Stelle der Erzeuger profitiert. Dieses ist in den vergangenen Jahren immer mehr ins Hintertreffen geraten und hat damit zur dramatischen Folge, dass immer mehr landwirtschaftliche Betriebe ihre Pforten schließen.  Um dieses Höfesterben weiter zu verhindern, gilt es auf den Höfen selbst, sich zu verändern. Nicht Handel und Politik sind es, die uns das Leben schwer machen, sondern auch unsere Schwerfälligkeit, Gegebenheiten zu analysieren und eine realistische Folgenabschätzung vorzunehmen und diesen dann entgegenzusteuern, muss ein Weg sein, den man beschreitet. Auch wenn’s weh tut. Daraus können sich oftmals neue Möglichkeiten entwickeln, die einem Betrieb einen wesentlich höheren Mehrwert erschließen lässt.

Im Oktober des vergangenen Jahres hatte ich das Vergnügen, gemeinsam mit Dr. Markus Elsässer und Marc Friedrich im AlphaTrio zu sitzen und bekam die Frage, wie die Lösung aussehen könnte.

Es hat eine Zeit gedauert, mir darüber Gedanken zu machen. Die Lösung liegt in der Branche selbst. Es bedarf einer Umstrukturierung vieler Betriebe. Im Westen Deutschlands lässt sich der eigeschlagene Weg noch ändern.
Um neue wirtschaftliche Gefüge zu schaffen, die die Unabhängigkeit fördern, bedarf es der Aufbrechung der lang gewachsenen und verknöcherten Strukturen.

Regionalität, weniger Menge, Selbstvermarktung sind hier der Schlüssel mit einer ausgefeilten Logistik, die es uns ermöglicht, unsere Höfe für die nächste Generation weiterzuentwickeln und attraktiv zu gestalten.
Ein sehr geschätzter Kollege sagte einmal, dass Bauern gut miteinander demonstrieren und feiern können. Gemeinsam Geld zu verdienen, bedarf noch einiger Übung, ist mit Sicherheit doch ein lohnendes Ziel.

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